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Interview mit Der Landvaettir Sippe     von http://welt-der-hobbys.de/reenactment/

Interview Landvaettir Sippe

“Es ist dabei immer wieder eine spannende Erfahrung sich mal eine Auszeit vom ‘normalen Leben’ zu nehmen.”

Die Landvaettir Sippe – Wikinger-Fans

Wie ist bei euch das Interesse an den Wikingern und der damit verbundenen Zeitepoche entstanden? Gab es dafür einen bestimmten Auslöser?

Interesse an Geschichte hatte jeder von uns bereits vorher. So wurden dann irgendwann auch die ersten Mittelaltermärkte besucht. Diese Art Mittelalter “live” zu erleben hat das Interesse nur bestärkt. Und so wurde nach Menschen gesucht denen es genauso geht. Die Chance dazu kam in Form eines Mittelalterstammtischs bei dem man sich austauschen und gemeinsam Märkte besuchen konnte. Bald haben sich besondere Sympathien entwickelt und nachdem wir uns mehr mit den verschiedenen Epochen beschäftigt hatten, wurde besonders unser Interesse (siehe zweite Frage) an den Wikingern geweckt. Da das reine “Besuchen” von Märkten uns schon bald nicht mehr genug war, haben wir eine eigene Gruppe die “Landvaettir Sippe” gegründet, die sich der Zeit der Wikinger um 850 gewidmet hat. Im Laufe der verschiedenen Lager haben wir auch neue Menschen kennengelernt und danach einige Lager zusammen gelagert. Da wir schnell gemerkt haben das die Chemie stimmt wurde unsere Gruppe größer.

Was macht für Sie den Reiz und die Faszination den Wikingern aus?

Um diese Frage zu beantworten könnten wir wahrscheinlich ein ganzes Buch verfassen. *lach* Versuchen wir es zusammenzufassen: Die Wikinger waren ja nicht nur die wilden “Seeräuber” als die sie heute so oft dargestellt werden, sondern sie waren Handwerker, Händler, geschickte Seefahrer, Entdecker, Krieger, Skalden (Dichter/ Geschichtenerzähler), Bauern… Eine unheimlich vielschichtige Kultur bei der es zwar spezialisierte Handwerker gab aber trotzdem jeder notfalls alles können musste, um zurecht zu kommen. Vielleicht können wir uns gerade darum so gut mit dieser Kultur identifizieren. Auch das man viele Informationen zum Thema bekommt macht es interessant und erleichtert natürlich eine geschichtsnahe Darstellung.

Woher kann man sich Ideen und Inspirationen bezüglich Kleidung, Waffen, Ausrüstung etc. holen? Fertigen Sie Ihre Sachen selber an oder wird das irgendwo gekauft?

Über unsere Ausrüstung haben wir uns viele Gedanken gemacht. Vor der Herstellung eines Gegenstandes steht erst mal die Recherche (mittels Fachbüchern, Museen, Ausgrabungsberichten usw…). Gab es so einen Gegenstand, wie hat er ausgesehen und wie wurde er hergestellt? Die meisten Sachen könnte man natürlich auch kaufen, im Internet oder auf den Märkten. Aber für uns ist es ein wesentlich größerer Reiz möglichst viel selber herzustellen. Das ist einer der größten Vorteile einer so frühen Darstellung. Im Hochmittelalter beispielsweise sind viele Dinge so aufwendig oder kompliziert, dass sie nicht ohne weiteres selber herzustellen sind. Außerdem hat sich bei uns gezeigt, dass jeder von uns spezielle handwerkliche Interessen oder Fähigkeiten hat, über die er im Laufe der Zeit sein Wissen und seine Fertigkeiten verfeinert hat. So haben wir einen Krieger, einen Schmied, einen Gewürzhändler, eine Färberin und eine Musikerin in der Gruppe. Außerdem nähen wir unsere Kleidung selber, naalbinding (Handarbeitstechnik), sticken, drehen Glasperlen, töpfern oder arbeiten mit Holz. So ist unser Lager im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen.

Können Sie uns mehr darüber erzählen wie Sie Ihrem Hobby in der Freizeit nachgehen? Welche Themen und Aktivitäten gehören für Sie zu diesem Hobby alles dazu?

Wir leben unser Hobby natürlich auf den Mittelaltermärkten und immer öfter auch auf reinen Wikinger- oder Museumsmärkten aus. Es ist dabei immer wieder eine spannende Erfahrung sich an einem Lagerwochenende mal eine Auszeit vom “normalen Leben” zu nehmen und bewusst auf sonst so selbstverständliche Dinge wie Strom, fließend Wasser, Licht oder Heizung usw. zu verzichten. Wasser muss erst geholt werden und ohne Holz hacken und Feuer anzünden gibt es weder Licht noch Wärme. Und warmes Essen muss auf dem offenen Feuer zubereitet werden. So haben wir unsere Kleidung auch nach den ersten kalten oder nassen Märkten anpassen müssen.

Es macht uns viel Spaß den Marktbesuchern die Zeit der Wikinger näher zu bringen und Fragen zu beantworten. Besonders für Kinder ist das spannend. Aber auch außerhalb unserer Lager ist immer genug zu tun. Wir arbeiten an unserer Ausrüstung, reparieren Zelte und Kleidung, planen die nächste Saison, arbeiten an unsere Homepage…. Oft unternehmen wir auch gemeinsam etwas. Gehen wandern, besuchen Ausstellungen, Museen oder nehmen an Kursen teil. Wie letztes Jahr zum Beispiel einen VHS Kurs zum Thema Bronzeguss. Und schon mehr als ein Urlaub wurde in Dänemark oder Schweden im Zeichen der Wikinger verbracht.

Wie kann man sich als Außenstehender das Zusammentreffen von Wikinger- bzw. Reenactment Freunden auf den diversen Veranstaltungen und Märkten vorstellen? Wie lassen sich die Menschen und die Stimmung dort beschreiben?

Die Stimmung lässt sich nur als sehr entspannt beschreiben. Oftmals gibt es gerade nach der Winterpause (in der kaum Märkte stattfinden) ein großes Wiedersehen mit Leuten die man nur ein oder zweimal im Jahr auf bestimmten Märkten trifft. Nachdem, meist am Vortag des Marktes, der “anstrengende” Teil, der Lageraufbau, erfolgt ist, schaut man wer noch so alles da ist und lässt den Abend meist gemütlich (je nach Geschmack mit Gewandung oder noch in „Zivil“) mit neuen und alten Freunden und einem guten Met am Feuer ausklingen. Die Gespräche drehen sich oft ums Thema Mittelalter/ Wikinger, es wird gefachsimpelt oder einfach nur ein bisschen gequatscht. Oft wird noch von Seiten des Marktveranstalters der Ablauf des Marktes besprochen und die Kämpfer finden sich zur Waffenschau und Kampfbesprechung zusammen.

Entgegen vieler Vorurteile haben wir noch nie schlechte Erfahrung mit politischen Gesinnungen gemacht. Im Gegenteil auch auf reinen Wikingermärkten sind sämtliche Religionen vertreten was aber eigentlich eher selten Thema ist. Von vielen kennt man nur den Marktnamen und auch Beruf oder Einkommen sind kein Thema. Es sind vom Arbeiter bis zum Topverdiener alle vertreten. Gemeinsame Interessen verbinden. Auch wenn es vielleicht ein bisschen kitschig klingt sind die Leute auf den Märkten im Allgemeinen eine große Gemeinschaft in der man sich untereinander hilft. Klar gibt es auch hier immer Leute die sich nicht besonders verstehen aber das ist eher die Ausnahmen. Besonders schön ist es auch für Kindere die ja teilweise mit und auf den Märkten aufwachsen. Es findet sich auch lagerübergreifend meist ein geduldiger Mensch der Fragen beantwortet, Handwerk zeigt oder mit einfach einen Blick darauf hat das alles ok ist. Hier können sie sich noch dreckig machen und den ganzen Tag draußen herumtoben.

Was waren für Sie bislang die schönsten Momente und Erlebnisse bezüglich Ihres Hobbys und welche Vorhaben und Wünsche hat die Landvaettir Sippe noch?

Das kann man nicht so genau definieren, denn es gibt so viele schöne Momente:

  • morgens am Feuer sitzend, den ersten Kaffee in der Hand zugucken wie es langsam hell wird und das Lager langsam erwacht
  • mit einem guten Freund ein entspanntes Gespräch führen
  • ein Besucher der besonders interessiert Fragen stellt und manchmal einfach im Lager versackt
  • ein schönes, neues, selbstgemachtes Ausrüstungsteil in den Händen halten, nachdem vorher so mancher Versuch schief ging
  • im strömenden Regen klatschnass das Lager abbauen und dabei trotzdem noch Bauchschmerzen vom Lachen bekommen.

Und das sind nur ein paar Beispiele ) Ich glaube spezielle Wünsche haben wir nicht. Wir wollen einfach weiter Zeit zusammen verbringen, zusammen Lagern und bei allem geschichtlichen Interesse nicht den Humor und den Spaß an unserem Hobby verlieren.

 
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